Saturday, 23 September 2017

Stadtbad Prenzlauer Berg

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Aufgrund der Forderung des 1873 gegründeten Berliner „Verein für Volksbäder" nach Verbesserung der Hygiene der ärmeren Bevölkerung „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad", wobei man unter „Bad" in erster Linie ein Brausebad verstand, entstanden um 1900 zahlreiche öffentliche Bäder in Berlin. Das 1899-1902 erbaute Frühwerk Ludwig Hoffmanns (1852-1932), das Stadtbad Oderberger Straße in der Oderberger Straße 57-59, ist nicht nur ein Zeugnis dieser Bäderkultur. Am 1. Februar 1902 konnte das Gebäude im Stil der deutschen Renaissance eröffnet werden.

Otto Lessing fertigte sämtliche Verzierungen und Skulpturen an. Die Straßenfassade des Stadtbades greift auf die Formen der deutschen Renaissance zurück, erinnert in der Anlage der Giebel und Dachgauben an das Leipziger Alte Rathaus. Im Inneren ist das ursprünglich 23,20 m lange Schwimmbecken von Gewölben umrahmt. Der vorrangigen Funktion des Bades, der Körperreinigung, dienten die in den seitlichen und oberen Bereichen untergebrachten Dusch- und Wannenbäder. 1936 wurden geringfügige bauliche Maßnahmen durchgeführt: die von Hoffmann konzipierten Lichthöfe wurden nun aus Platzmangel überbaut. Den Krieg überstand das Gebäude ohne große Schäden und auch in der DDR wurde es weiterhin als Stadtbad genutzt. 1977 wurde eine Sauna eingebaut.

Wegen auftretende Risse im Beckenboden und in den Deckengewölben, musste das Bad zum 11. Dezember 1986 schliessen. Das Bad war zur Betriebszeit ein bedeutender sozialer Bezugspunkt für die Menschen im Stadtbezirk und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren die öffentlichen Duschen auch für die Hygiene immens wichtig. Die Wannen- und Duschbäder und die Sauna wurden noch einige Zeit weiterbetrieben, jedoch 1994 bzw. 1997 ebenfalls geschlossen. 

Die Planungen der DDR für eine Sanierung waren nach der Wende Geschichte. 1990 gründete sich eine Bürgerinitiative, die die Sanierung und die erneute Nutzung als Badeanstalt forderte. Im Januar 2007 kaufte die Stiftung Denkmalschutz Berlin das Gebäude. Im Juni 2008 wurde bekannt, dass die Stadtentwicklungsverwaltung in Aussicht gestellte Fördermittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro nicht bereitstellen wird, wodurch sich die Sanierung erneut verzögerte. Das Bad wurde nun zunächst wieder für kulturelle Zwecke genutzt um die laufenden Kosten des Gebäudes zu decken.

Im Juli 2008 wurde bekannt, dass eine angrenzende Sprachschule Interesse hat, das Gebäude zu übernehmen. Die Schwimmhalle soll saniert und in den Freizeitbereich der Schule integriert werden, jedoch zeitweise auch öffentlich zugänglich sein. Das Konzept der Sprachschule sieht im Rest des Gebäudes Hotelzimmer vor. Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hat das Bad im Dezember 2011 an die GLS Sprachenschule verkauft.

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Fotoaufnahmen: Denny Müller

Panoramen: Denny Müller

Bundesland: Berlin

Quelle: Wiki / Hoffmann, Ludwig: Volksbad in der Oderbergerstr. Neubauten der Stadt Berlin - Gesamtansichten und Einzelheiten, Bd. II, Berlin Bruno Hessling G.M.B.H. 1903

Zustand: Denkmalgerechte Sanierungsarbeiten werden zur Zeit ausgeführt