Wednesday, 22 November 2017

Urban Exploration

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Urban Exploration bzw. Stadterkundung ist die private Erforschung von Einrichtungen des städtischen Raums und sogenannter Lost Places. Oftmals handelt es sich dabei um das Erkunden alter Industrieruinen, aber auch Kanalisationen, Katakomben, Dächern oder unzugänglicher Räumlichkeiten ungenutzter Einrichtungen. Der Begriff wird jedoch durchaus auch für die Erkundung zugänglicher Orte wie Parks verwendet.

Motivation

Für die meisten Urban Explorer liegt die Motivation neben der Entdeckung und Dokumentation der Objekte, in der Ästhetik und Romantik, die jene Orte mit sich bringen, so wie im Erlebnis einer authentisch-historischen Atmosphäre. Zudem wird die eintretende Verwilderung und der Verfall nach dem Verlassen ehemals genutzter Anlagen und strukturierter Betriebe, sowie der Kontrast zu moderner städtebaulicher Investition und Ordnung als entspannende und befreiende Zivilisationsflucht beschrieben. In schon länger stillgelegten Betrieben zeigen sich oft zahlreiche Graffiti oder bizarre Bilder, zum Beispiel von aus den Wänden wachsenden Bäumen. Der Großteil der Urban Explorer hält diese Eindrücke auf Fotos fest. Hierbei entstehen häufig zum Teil sehr surreale Kunstwerke. Der Schwerpunkt kann bei Urban Exploration individuell neben der Erkundung selbst auf künstlerischer und dokumentarischer Fotografie liegen, historischen Recherchen, dem Anlegen von Online-Dokumentationen zu Anlagen, die vom Verschwinden oder völligen Verfall bedroht sind, oder auch auf der sportlichen Herausforderung bei der Überwindung von Hindernissen und dem Eindringen in schwer zugängliche, aktive Anlagen.

Verfallene Industriehalle

Der Einstieg in stillgelegte und verlassene Gebäude gehört zu der häufigsten Form von Urban Exploration. Meist handelt es sich dabei um alte Industriebauten, aber auch ehemalige öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen, die häufig intensiv mit Graffiti besprüht und teilweise stark demoliert wurden, sowie über die Jahre intensiven Verwitterungserscheinungen ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu bekannten, unterirdischen Katakomben, die häufig touristische Ziele sind, werden sie überwiegend von Einheimischen betreten. Während viele Gebäude nur einfach oder teilweise verschlossen und somit leicht zugänglich sind, können andere Einrichtungen auf Grund von Bewegungsmeldern, Sicherheitspersonal oder Wachhunden nur sehr schwierig betreten werden. Verlassene Gebäude werden vor allem gerne von Fotografen, Graffiti-Künstlern und aus historischem Interesse besucht.

Gebäude, die noch aktiv genutzt werden, gelten als interessant, sofern dabei öffentlich nicht zugängliche Bereiche, Maschinenräume, Fahrstuhlschächte oder Dächer betreten werden können.

Katakomben

Als besonders exotische Expeditionsziele gelten unterirdische Katakomben wie sie in Paris, Rom oder Neapel existieren.

Kanalisationen

Das Betreten von Kanalisationen ist eine weitere gängige Form der Urban Exploration und gilt, vor allem bei Regenwetter, als besonders gefährlich. In Australien bildete sich 1986 die Gruppe Cave Clan deren Aktivitäten sich auf das Besteigen von Kanalisationen konzentrieren. Einige wenige Personen begehen auch die unterirdischen Kanäle von Kläranlagen. Gelegentlich finden sich dort die einzigen Möglichkeiten Höhlen oder andere unterirdische Zugänge zu betreten.

U-Bahn-Tunnel

Besonderes Interesse gilt auch alten, verlassenen U-Bahnschächten. Besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wird das Besteigen jedoch besonders hart bestraft und zählt somit zu den selteneren Aktivitäten. Neben vielen weiteren Großstädten finden sich solche Anlagen vor allem in New York City, Toronto, London, Sydney und Moskau.

Gefahren

Urban Exploration kann verschiedene Gefahren mit sich bringen. Dazu zählen vor allem einsturzgefährdete Gebäude, Asbest, Säuren, Industrieabfälle und morsche Bretter, weshalb festes Schuhwerk und Atemschutzmasken häufig zur Ausrüstung gehören. Bei Wasserpfützen ist die Tiefe meist nicht abschätzbar und die Gefahr elektrischer Leitung gegeben. Auch Wachhunde können eine mögliche Gefahrenquelle darstellen.

Rechtslage

Da es nicht viele Grundstücksverwalter gibt, die Verständnis für Urban Explorer aufbringen können und Sondergenehmigungen nur äußerst schwierig zu bekommen sind, betreiben viele ihr Hobby ohne die nötigen Genehmigungen. Deshalb ist Urban Exploration im Grunde genommen meistens Hausfriedensbruch. Anders als in vielen Fällen von Hausfriedensbruch geht es den Urban Explorern nicht darum, Dinge zu zerstören, zu stehlen oder anderweitig dem Grundstück oder Gebäude und der vielleicht noch vorhandenen Einrichtung Schaden zuzufügen, sondern üblicherweise nur um die fotografische und geschichtliche Dokumentation. Menschen, die aus Zerstörungswut eben solche Industrieruinen aufsuchen, oder Kupferdiebe, die noch vorhandene Materialien und Kupferleitungen entwenden und verkaufen, werden nicht unter dem Begriff Urban Explorer erfasst und werden von der Urban-Exploration-Szene strikt abgelehnt.

Im Gegensatz zu privaten, meist illegalen Erkundungstouren werden von Organisationen wie dem Verein Berliner Unterwelten offizielle Führungen und Besichtigungstouren alter städtischer Anlagen angeboten.

Hausfriedensbruch

Der Hausfriedensbruch ist die vorsätzliche Verletzung des verfassungsrechtlich geschützten Gutes der Unverletzlichkeit befriedeter Besitztümer. Der Hausfriedensbruch ist in Deutschland – trotz seiner Einordnung in den 7. Abschnitt des StGB – „Straftaten gegen die öffentliche Ordnung" – ein Straftatbestand, der ausschließlich das individuelle Hausrecht schützt.

Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs ist in Deutschland in den §§ 123f. Strafgesetzbuch geregelt und umfasst neben dem Grundtatbestand (§ 123 StGB) auch die Qualifikation des schweren Hausfriedensbruchs (§ 124 StGB).

Tatbestandsmerkmale

Ein Schild in Ennepetal verweist auf §123 StGB

Der Tatbestand gliedert sich in zwei Varianten: Tatbestandmäßig ist das vorsätzliche Eindringen gegen den Willen des Berechtigten in näher bestimmte Räumlichkeiten oder das Sich-nicht-Entfernen aus diesen Räumlichkeiten trotz der Aufforderung eines Berechtigten. Diese Räumlichkeiten sind Wohnungen, Geschäftsräume und sonstige befriedete Besitztümer oder abgeschlossene Räume, die für Zwecke des öffentlichen Dienstes oder Verkehrs bestimmt sind.

Das befriedete Besitztum sind Bereiche, die in äußerlich erkennbarer Weise durch Umgrenzungen gegen willkürliches Betreten gesichert sind. Umstritten ist in der Rechtswissenschaft, wie stark der Befriedungsschutz sein muss (Mauer, Absperrung, Zaun). Auch bewegliche Sachen, die zum Aufenthalt von Menschen dienen, sind vom Hausfriedensbruch umfasst.

Für das Eindringen in einen Raum genügt bereits, dass der Täter unberechtigt einen Teil des Körpers in den befriedeten Bereich gelangen lässt. Ein Betreten mit dem gesamten Körper ist nicht notwendig; ausreichend ist schon der „Fuß in der Tür". Grundsätzlich nicht von dem strafrechtlichen Schutz umfasst werden Störungen, die noch außerhalb der Wohnung oder des Besitztums bzw. an dessen Rand stattfinden: Das Schlagen oder Treten gegen eine Tür sowie Störanrufe werden nicht von diesem gesetzlichen Tatbestand erfasst.

Der Hausfriedensbruch trifft häufig tatmehrheitlich mit typischen Diebstahlsdelikten, wie Einbruchsdiebstahl oder Ladendiebstahl zusammen, der qualifizierte § 124 StGB kann tateinheitlich ggf. sogar mit Raubdelikten, andererseits aber auch mit Nötigung, Sachbeschädigung oder Körperverletzungsdelikten zusammenfallen.

Strafmaß, Verjährung

Für Hausfriedensbruch im Sinne von § 123 StGB beträgt die Höchststrafe ein Jahr Freiheitsstrafe, woraus sich nach § 78 StGB eine dreijährige Verjährungsfrist ergibt.

Strafprozessrechtliches

Der Hausfriedensbruch ist in der Variante des Grundtatbestandes Privatklagedelikt nach § 374 Abs. 1 StPO und bedarf des Strafantrags des Verletzten oder dessen Angehörigen. Der Hausfriedensbruch ist nebenklagefähig nach § 395 StPO.

Ein reiner Tatbestand „Einbruch" kommt jedoch im deutschen Rechtsraum nicht vor. Einbruch ist immer an weitere Motive oder Tatbestände gekoppelt, wie Diebstahl, Hausfriedensbruch oder die Sachbeschädigung an Hindernissen bzw. der Versuch derselben.

Nach deutschen Strafrecht kommen die Tatbestände des § 243 und § 244(jeweils mit dem Grundtatbestand des § 242) in Betracht. Der Einbruchsdiebstahl ist die bei weitem häufigste Form.

So zählt beispielsweise Überklettern eines abgrenzenden Hindernisses im Sinne einer Mutprobe, Freude am Klettern oder um dahinter befindliche Gegenstände zurück zu holen, die sich im Eigentum der kletternden Person befinden, im deutschen Recht nicht zum Einbruch, sofern keine strafbaren Motive vorliegen und das Hindernis nicht beschädigt wird. An Hausfriedensbruch kann gedacht werden, wenn der „Einbrecher" ohne Bereicherungsabsicht handelt, aber wissentlich oder erklärtermaßen unwillkommen ist.