Tuesday, 21 November 2017

Objekt 17/5001

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Hauptführungsstelle (HFüSt) des Nationalen Verteidigungsrates (NVR) der ehemaligen DDR

Der zwischen 1978 und 1983 nahe der Ortschaft Prenden gebaute Bunker mit einer Nutzfläche von ca. 7.500 m² ist eines der größten und bekanntesten unterirdischen Schutzbauwerke auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Das Objekt 17/5001 galt als technische Meisterleistung und war bei seiner Indienststellung im Jahr 1983, das technisch aufwändigste Bauwerk im Bereich der Staaten des einstigen Warschauer Paktes außerhalb der Sowjetunion. In ihm sollten die Mitglieder des NVR im Verteidigungsfall ihre Befehlsstrukturen entfalten und die politische, wirtschaftliche sowie militärische Führung der DDR übernehmen.

Große Teile der dreig5001haubeeschossigen Anlage sind schwingend gelagert, um auch die seismische Welle einer Kernwaffendetonation abfangen zu können. Hierzu wurden Federmechanismen und stickstoffgefüllte Pneumokord-Stoßdämpfer (PKU) verwendet. Knapp 350 Personen (laut Übergabeprotokoll), darunter die Mitglieder des NVR und dessen Vorsitzender Erich Honecker, hätten hier Schutz gefunden. Umgangssprachlich wird das Objekt 5001 daher auch als Honecker-Bunker bezeichnet. 

Zum gesamten Areal des Objektes 17/5001 gehören auch die Außenanlagen, welche in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Schutzbauwerk (TO 01) stehen. Vom oberirdische Stabsgebäude des NVR (TO 03), erreichte man den Bunker durch einen zirka 180 Meter langen Zugangstunnel (TO 02). Weiterhin befanden sich für die Schützenpanzerwagen vom Typ 60 PB verbunkerten Garagen (TO 15) in unmittelbarer Nähe des Bunkers. Das Gelände beherbergte zudem ein vollkommen autarkes Kasernenobjekt für das Wachpersonal, mit Heizhaus, Wasserwerk und Kläranlage.

Zum Komplex 5000 zählen noch weitere wichtige militärische Anlagen: 

Objekt 5020 - Flugplatz für Hubschrauber bzw. für Flugzeuge die auf unbefestigter kurzer Landebahn starten und landen konnten.

Objekt 5021 - Verbunkerte Notsendestelle für nachrichtentechnische Aufgaben, welche über mobile Sendetechnik und Troposphärenfunk den Nachrichtenverkehr übernehmen konnte.

Objekt 5002 - Sicherstellung des Funkverkehrs war die Hauptaufgabe der verbunkerten abgesetzten Sendestelle bei Marienwerder. Von hier aus wurde hauptsächlich der Funkverkehr aus dem Objekt 17/5001 übertragen, um eine Ortung zu verhindern.

Der Wohnungsbaustandort Biesenthal hatte rein zivilen Charakter.

Die im Bunker installierte Nachrichtenzentrale war in das gedeckt vorbereitete Nachrichtensystem der NVA für den Kriegsfall

5001_arbeitsraum

integriert. Mit dem Ziel ihrer Geheimhaltung wurde der Zentrale im Nachrichtensystem der NVA die Bezeichnung „Hilfsnachrichtenzentrale 3" (HNZ 3) zugeordnet. Unter dieser Bezeichnung wurde sie vom technischen- und Betriebspersonal anderer Nachrichtenzentralen als ein im  System unterstützendes Element verstanden. Mit entsprechend vorbereiteten Leitungswegen für die Kommunikation war sie eng mit der Hauptnachrichtenzentrale des Ministeriums für Nationale Verteidigung in Strausberg verbunden.

Der Bunker wurde nach der Wende von der Bundeswehr übernommen, untersucht und 1993 versiegelt und aufgegeben. Die oberirdischen Tarnaufbauten wurden abgerissen. Die darunter befindlichen Zugänge und Betonhauben für Zu- und Abluft wurden wegen des einsetzenden Bunkertourismus von der örtlichen Forstbehörde mit Aushub zugeschüttet. Inzwischen steht die Anlage unter Denkmalschutz. Die Anlage konnte nach Anmeldung von August bis Oktober 2008 erst- und letztmalig besichtigt werden. Ende 2008 wurde der Eingangsbereich durch den BBN e.V. massiv mit einer Betonplombe verschlossen. Jeglicher Versuch in das Bauwerk einzudringen ist ohne großen Aufwand nicht möglich.

Der erneute Verschluss  (Text: Hannes Hensel)

"Die verschiedenen Schwachstellen (Zugang, provisorische Zuluft) wurden mit C45/55 Stahlbeton verfüllt. Die Plomben sind hierbei mindestens 2 Meter dick. Sämtliche potentielle Angriffsstellen wie z.B. Notausgänge oder Wasseranschlussleitungen wurden mehrfach gesichert, so dass eine Öffnung nur von Innen möglich ist. Das heisst alle Türen und Luken (bis auf den Montagezugang natürlich, wir mussten ja auch hinaus kommen) sind von innen verschlossen und der Mechanismus von außen nicht zu bedienen. Auf jedem Weg hinein, außer über den Zugangstunnel, sind so mindestens 4 Verschlüsse, die von außen nicht zu öffnen sind, im Weg. Beim Hinausgehen wurden die Türen mechanisch zugedreht und verriegelt. Die letzten beiden großen DZ sind noch mit einem kleinen Extra versehen, welches man kennen muss, um sie zu öffnen. Im Gang vor der einstigen Plombe sitzt jetzt der neue Verschluss. Er besteht aus über 2 Meter Stahlbeton und ist damit dicker als die Außenwände der Anlage selbst. Der ehemalige Zugangstunnel wurde bis hinter die provisorische Zugangstreppe auf halber Höhe des Tunnels mit zementversetztem selbstverdichtenden Flüssigboden verfüllt. Dieser Sand geht bis unter die Decke, die Masse schrumpft nicht und wird durch den Zement sehr fest. Bei dieser Technik des Verfüllens entweicht auch die Luft vollständig, da die Masse sehr flüssig ist und sich ihren Weg bahnt. Wasser tritt so gut wie nicht aus; es kristallisiert. Zu guter Letzt wurden sämtliche ausgebaggerten Bereiche wieder zugeschüttet und verdichtet. Hoffen wir, dass der Verschluss hält und das Bauwerk vor weiterer Zerstörung bewahrt wird. Es war kein schönes Gefühl und ein ebenso wenig erfreulicher Anblick. Wir mussten während dieser Arbeiten so manche Träne weg wischen. Ein spannende und schöne Zeit ging zu Ende...!

Auch für mich war es ein sehr schwerer Abschied von diesem Bauwerk, aber die aktive Mitarbeit im Verein Bunker5001 lässt mich positiv in die Zukunft blicken. Einen grossen Dank, für das Projekt, möchte ich hiermit an Hannes Hensel aussprechen. Eine sehr umfassende und zugleich aufwendige Doku kann man auf www.bunker5001.com erleben. 


Fotoaufnahmen: Denny Müller

Zustand: massiv verschlossen

Homepage: www.bunker5001.com

Geografische Lage: 52° 46′ 42″ N, 13° 32′ 23″ O