Friday, 28 July 2017

Achsenkreuz

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Die Begrifflichkeit Welthauptstadt Germania wurde im Jahr 1969 auf dem Klappentext des Buches Erinnerungen von Albert Speer durch den Propyläen Verlag eingeführt. Seitdem steht dieses Synonym für den „Gesamtbauplan für die Reichshauptstadt".

Der nationalsozialistische Diktator Adolf Hitler verlieh Speer den eigens geschaffenen Titel „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt" (GBI) und unterstellte ihm die gleichnamige Behörde, mit der Speer 1937–1943 den Umbau von Berlin in Teilen durchführte.

Die Planungen für Berlin, die ab 1935 bis 1943 erarbeitet wurden, sahen ein Kreuz von zwei breiten Verkehrsachsen vor, die vom Autobahnring durch die Innenstadt wieder zum Autobahnring führen sollten. Anfänglich zwei, später vier Ringe sollten den Verkehr von den Achsen in die Stadtfläche verteilen. An dem Schnittpunkt der Monumentalachsen sollte die „Große Halle" als zentrale Versammlungsstätte liegen. Insbesondere die Nord-Süd-Achse sollte als Prachtstraße ausgebaut werden. Als Ersatz für die wegfallenden Flächen in der Innenstadt sollten unter anderem im Grunewald eine neue Hochschulstadt sowie im Osten und Süden Berlins völlig neue Stadtteile entstehen.

Im Tiergarten wurde für das Achsenkreuz der Ost-West- und Nord-Süd-Achse ein System von Straßentunneln projektiert, um eine Verkehrsführung ohne Ampeln zu gewährleisten. Für die Rampen der Tunnel waren zur Vermeidung von Glatteisgefahr elektrische Heizsysteme vorgesehen. 1938 wurde eine unterirdische Bauvorleistung in Form von zwei Straßentunnelfragmenten errichtet, um ein erneutes Aufreißen der Ost-West-Achse zu vermeiden. Dazu kam noch ein etwa 200 m langes Tunnelstück der neuen U-Bahnlinie G, 6,80 m breit, 16 m unter der Oberfläche gelegen.

In Planung stand hierbei die Tunnelwandungen aus glasierten Flächen mit gelblich-weißen italienischen Marmor zu schaffen, um so eine große, senkrechte Feldereinteilung machen zu können. Von diesen verkehrspolitischen Träumereien wurde nichts realisiert, denn der Weltkrieg erforderte den Abbruch der Arbeiten und man musste stattdessen zivile Schutzräume schaffen.

Nach dem Kriege wurden diese Baureste zugeschüttet oder zubetoniert. Erst in den Sechziger Jahren wurden die Tunnel wiederentdeckt. Im Laufe der Zeit waren sie voll Wasser gelaufen und mußten erst kostspielig freigepumpt werden. Aus Kostengründen für einen Abriß wurden die noch heute erhaltenen Tunnelfragmente aus Sicherheitsgründen saniert. Einige unterirdische Bauten wurden erst beim Bau des Tiergartentunnels entfernt.

Überirdisch sichtbar blieb bis Frühjahr 2011 von der begonnenen Nord-Süd-Achse der erste Meter baulich erhalten – die rund 100 Meter auseinanderliegenden Ecken der Bordsteine (jeweils gegenüber den Sockeln der Panzer an der Straße des 17. Juni). Im März 2011 wurde dies zum Bau von Parkbuchten entfernt.


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Fotoaufnahmen: Austen Spanka 

Quelle: Berliner Unterwelten, Wikipedia

Zustand: Rohbau, nicht vollendet, nicht öffentlich zugänglich