Sunday, 28 May 2017

Reichsverkehrsministerium

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Während seiner wechselvollen Geschichte als Dienstsitz der Reichsbahndirektion Berlin bzw. als Standort des ehemaligen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten sowie des Reichsverkehrsministeriums wurde auf dem Grundstück eine unterkellerte Blockrandbebauung mit Hofgebäude einschließlich Kelleranlagen errichtet, die in den Jahrzehnten nach Bebauungsbeginn immer wieder verändert und ergänzt wurde. Im Jahre 1848 bezog das neu errichtete Preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten das Haus Wilhelmstraße 79. Das Gebäude wurde 1854 - 1856 nach Plänen von Friedrich August Stüler, der als Geheimer Oberbaurat selbst der Hochbauabteilung des Ministeriums angehörte, um ein Stockwerk erhöht; gleichzeitig wurde die Fassade umgestaltet. Die Räume des Ministeriums wurden noch mehrmals erweitert. In den Jahren 1869/70 wurde auf dem Nachbargrundstück Wilhelmstraße 80 und 1875/76 auf dem sich westlich anschließenden Grundstück Voßstraße 35 jeweils ein Neubau errichtet.

Am 17. April 1878 wurde von Otto von Bismarck in der preußischen Regierung vom vormaligen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten das "Ministerium der öffentlichen Arbeiten" abgetrennt. Diesem Ministerium unterstanden vor allem das Eisenbahnwesen und die Wasserstraßen. Erster Minister war Albert von Maybach. Nach der Revolution 1918 ging die Hochbauabteilung an das Preußische Finanzministerium über. Die Eisenbahnen und Wasserstraßen wurden vom Reich übernommen und dem im Juni 1919 gegründeten Reichsverkehrsministerium übergeben. Es befand sich in Berlin-Mitte an der Voßstraße 34–35. Diese Gebäude wurden zusammen mit den angrenzenden Gebäuden des Handelsministeriums Wilhelmstraße 79–80 ab 1919 durch Reichsbahn und Reichsverkehrsministerium genutzt. Im Jahre 1924 wurde die Reichsbahn einem vom Staat unabhängigen Unternehmen, der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft, übertragen um im Februar 1937 wurde die Reichseisenbahn wieder dem Verkehrsministerium zugeordnet. Die noch nutzbaren Baulichkeiten wurden in einfacher Form hergerichtet und zu DDR-Zeiten durch Einrichtungen des Verkehrsministeriums der DDR und der Deutschen Reichsbahn genutzt. Nach Übergabe in Bundesvermögen 1994 fand eine Nachfolgenutzung nicht statt. Entsprechend der Berliner Denkmalliste in ihre aktuellen Fassung vom 01.09.2010 steht der ehemalige Erweiterungsbau des ehemaligen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten (Baujahr 1894), später Teil des Reichsverkehrsministeriums Leipziger Straße 125 als Baudenkmal unter Schutz. Nach einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn und dem Bund wurde das Gelände Anfang 2012 an Harald Huth verkauft.

Leipzigerstr 125

Der 1892 bis 1894 im Stil der Neurenaissance vom Bauinspektor Paul Kieschke errichtete Erweiterungsbau (Bau des Eisenbahnamtes) ist der einzig erhaltenswerte Teil des alten Gebäudekomplexes. Die Sandsteinfassade ist bis auf Ausnahmen fast vollständig erhalten geblieben. Insbesondere ist die Erdgeschosszone stark verändert worden und der aus Kupfer getriebene Adler, der im Originalzustand über der Mittelachse positioniert war, wurde nach dem Kriege verwertet. Ferner fehlen die seitlichen Bekrönungen. Das historische Balkongitter wurde durch eine nicht bauzeitgerechte Metallkonstruktion ersetzt. Das Gebäude einschließlich Fassade steht unter Denkmalschutz. Im Inneren des Gebäudes befindet sich ein repräsentatives Treppenhaus mit historischem Lastenaufzug für Bücher sowie im 1.Stock eine begehbare zweietagige Bibliothek aus dem Jahre 1894, deren Wandtäfelungen und Mobiliar jedoch stark beschädigt sind. Ferner sind Kappendecken in verschiedener Ausführung architektonisch prägend im Gebäude, die vielerorts eingebaut wurden.

Voßstrasse 33-35

Die Voßstraße 33 entstand 1884-86 als Wohnhaus. 1925 wurde das Haus umgebaut, aufgestockt und der Deutschen Reichsbahngesellschaft zugeschlagen. Heute ist die Voßstraße 33 das einzige Haus der alten Bebauung, das noch existiert. Die Voßstraße 34 wurde als Wohnhaus errichtet und 1905 an die Deutsche Reichsbahngesellschaft angegliedert. 1923 erfolgte eine Aufstockung, nachdem die alte obere Etage abgetragen worden war. Zudem wurde der Bau mit den Nachbargebäuden verbunden. Nach Kriegsbeschädigungen reparierte man das Gebäude nach 1945 notdürftig, riss es jedoch in den 1960er Jahren ab. Die Voßstraße 35 entstand als erster Erweiterungsbau zum damaligen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Errichtet 1876-78 nach Plänen von Richard Luciae, erlitt das Haus im Krieg Schäden und wurde in den 1960iger Jahren abgerissen. 1956 sind Teile des Komplexes als Poliklinik genutzt worden. Die Bauten der Voßstraße 33—35 werden nachfolgend Verwaltungsgebäude der Reichsbahn.

Wilhelmstraße 79

Dem Borsig Palais gegenüber lag das Hauptgebäude der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft. Der Grundriss des Hauses ging noch auf seinen Vorgängerbau, das 1935-1737 errichtete Königliche Gold- und Silbermanufaktur zurück. Bei einer Umgestaltung im Jahre 1848 des originalen Barockbaues, nutzte der Architekt Friedrich August Stüler die vorhandene Bausubstanz und stockte das Gebäude um eine zusätzliche Etage auf. 1844 übernahm der preußische Staat auch das durch Umbau im Jahr 1823 stark veränderte Gebäude der Gold- und Silbermanufaktur (deren Produktion nur noch in rückseitigen Anbauten lief). Ab 1848 residierte hier das neu gegründete Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Nach Kriegsende wurde die Bauten abgerissen.

Bunkeranlage NS Zeit

Unsichtbar für die Öffentlichkeit kam es ab Mitte der 1930 Jahre am Wilhelmplatz zum Ausbau eines umfangreichen Bunkersystems. Ein Teil der für Hitler bestimmten Bunkeranlage („Vorbunker") wurde schon im Zuge des Umbaus der alten Reichskanzlei geplant. 1939 entstand die Unterbunkerung des Hofes Wilhelmstraße, südlich des U-Bahnhofs „Kaiserhof" (für die SA-Führung) und unter dem Reichsverkehrsministerium. Dieser war mit einem Bahn-Tunnel verbunden, um einen Fluchtweg zu haben. Der Luftschutzbunker mit einer Länge von 50 Metern und einer Breite von 15 Metern verfügt über eine Deckenstärke von 3,20 m, eine äußere Wanddicke von 1,00 Meter und einer Sohlestärke von 0,86 Meter. Die mittlere Raumhöhe beträgt ca. 2,60 m.

Fotoaufnahmen: Denny Müller (genehmigt durch Berliner Unterwelten e.V.)

Fotoaufnahmen Schutzbauwerk: Denny Müller (genehmigt durch Berliner Unterwelten e.V.) 

Panoramen: Hannes Hensel (NEA) und Denny Müller (genehmigt durch Berliner Unterwelten e.V.)

Dokumente: gemeinfrei

Quellen:  "Die Geschichte des Hauses Wilhelmstrasse Nr. 79 auf der Friedrichstadt in Berlin" , 1936  Röttcher & Falck

                "Das Reichsverkehrsministerium", 1940 Kittel & Wehrmann

                "Die Wilhelmstrasse und der Wilhelmplatz - Erinnerungsorte deutscher Geschichte" TU Berlin

                "Dienstgebäude des Reichsverkehrsministerium" Deutsche Reichsbahn  (Auszug Grundrisse)   

                 Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Weblinks: http://www.hghi.de

                Leipziger Straße 125

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