Saturday, 23 September 2017

Müggelturm

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Ausflugsziel in Südosten Berlins

Carl Spindler ließ um 1880 auf dem kleinen Müggelberg einen 10 Meter hohen Aussichtsturm aus Holz errichten, der damalige Spindlerturm. Er war nur damals zu klein, um als Ausflugsziel für Touristen interessant zu sein. Deshalb ließ er 1889 den Turm im chinesischen Pagodenstil für 40.000 Mark umbauen. Die Eröffnung des neuen 27 Meter hohen Turms war am 01.04.1890. Der Bauherr war Max Jacob und der erste Gastwirt der Ausflugsgastätte vom Spindlerturm war Carl Streichhahn. Bereits im Eröffnungsjahr besuchten 52.000 Touristen den Turm mit seiner Aussichtsplattform auf der man einen wunderschönen Panoramablick bis zu 50 km Entfernung hatte.

Ab 1924 war der Baumeister Walter Wichelhaus der neue Eigentümer von Turm und Restaurant. Er ließ einige neue Gebäude errichten, wobei man bei den Bauarbeiten im Boden auf historische Funde stieß und diese dann in einem kleinen Museum "Geschichte des Müggellandes und der Müggelberge" ausstellte. Es wurden Exponate aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit sowie über die Sprewanen, einem wendischen Stamm der in der Dahme-Spree-Gegende lebte ausgestellt. Bei den Ausgrabungen fand man Fundamente einer großen Halle, die den Sprewanen als Kultstätte diente. Das bekannteste Exponat war ein Backenzahn eines Mamuts.

1928 wurden zwei Treppen (111 und 374 Stufen) vom Teufelssee zum Müggelturm gebaut, 1953 restauriert.

1942 wurden die Exponate des Museums in die Ausflugsgaststätte "Schmetterlingshorst" an der Dahme ausgelagert, zusammen mit der Faltersammlung waren sie ein beliebtes Ausflugsziel, allerdings wurden die Sammlungen durch den 2. Weltkrieg zerstört.

1945 wurde der Turm zum militärischen Objekt erklärt und diente als Funkturm für die Nachrichtenübermittlung und als Beobachtungsposten der Artillerie. Deutsche Truppen sollten den Turm und die Bismarckwarte sprengen, damit die sowjetische Armee sie nicht einnehmen konnten. Der Inhaber Walter Wichelhaus verhinderte dies aber, indem er die Leitungsdrähte der Sprengladung zerschnitt.

Nach dem Krieg wurde der Gaststättenbetrieb wieder aufgenommen und 1956 übernahm die HO Köpenick den Betrieb des Müggelturmareals. 1957 wurde der Turm aufgrund von Baufälligkeit geschlossen und noch während der Renovierungsarbeiten brach am 19.05.1958 ein Feuer, womöglich durch Schweißarbeiten im Turm aus und zerstörte ihn völlig.

1958 wurde ein Architekturwettbewerb der Berliner Zeitung ausgeschrieben. Der Entwurf des Studentenkollektivs der Kunsthochschule Berlin-Weißensee gewann die Ausschreibung und bereits am 06.10.1959 war Grundsteinlegung des neuen Müggelturms.

Eröffnung war am 31.12.1961. Der neue Turm ist 29,61 Meter hoch, 9 Etagen und einer Panoramaplattform. In einem Blumenfenster des Gastraums befindet sich der historisch für Berlin und das Deutsche Vermessungswesen wichtige Trigonometrische Punkt 1. Ordnung Müggelberg. Mit ihm wird der Nullpunkt des Koordinatennetzes des Berliner Kartenwerks definiert. Der Stein erinnert auch an den in Müggelheim geborenen Johann Jacob Baeyer (1794-1885). Baeyer gilt als Begründer der einheitlichen europäischen Gradmessung. Er nutzte den Höhenzug der Müggelberge neben Vermessungen der Stadt Berlin auch für Höhenmessungen der näheren Umgebung: unter anderem bestimmte er die Höhe der Köpenicker St.-Laurentius-Stadtkirche und der Gosener Berge. Da der Stein sowie seine spezielle Lage als Vermessungspunkt geschützt ist, darf er bei Umbauarbeiten nicht ohne Zustimmung der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bewegt werden.

Trotz Sanierung im Jahr 1996 ist seit 2005 der Müggelturm in einem sehr schlechten Zustand. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und der Denkmalschutz machen es Investoren schwer die notwendigen Mittel aufzubringen.

Im Dezember 2007 wurde das Grundstück nunmehr an einen Krefelder Investor veräußert. Bis Mitte 2010 wurden vom neuen Eigentümer weder größere Sanierungsmaßnahmen noch sonstige Investitionen vorgenommen

Fotoaufnahmen: Atomhirsch