Saturday, 23 September 2017

Säuglings- und Kinderkrankenhaus

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Anfang des 20. Jahrhunderts nahm bei abnehmender Geburtenzahl die Säuglingssterblichkeit zu. Als Folge dessen wurden zahlreiche Kinderkliniken errichtet.

In der Gemeinde Weißensee beschloss man im März 1908 ein Kinderkrankenhaus zu bauen, welches das erste kommunalgeleitete in Preußen werden sollte. Die Grundsteinlegung fand im Juni 1909 statt. Gemeindebaurat Carl James Bühring, der den Entwurf für das Haus und die Inneneinrichtung erstellt hatte, übernahm auch die weitere Aufsicht der Bauleitung.

Am 08. Juli 1911 erfolgte die feierliche Einweihung des Hauses in der Kniprodeallee, die heutige Hansastraße. Die Umgebung des Hauses war inzwischen zu einem kleinen Park umgestaltet worden und konnte somit in die Therapiemaßnahmen einbezogen werden. Dem gleichen Ziel diente auch die hier erst- und einmalig vorgesehene Einrichtung einer "Milchkuranstalt". Sie umfasste einen Kuhstall, eine Molkerei mit allen Anlagen zur Milchverarbeitung sowie Lager- und Transportanlagen. Das Krankenhaus avancierte nicht nur zu einen der besten Häuser dieser Art, sondern wurde auch Ausbildungszentrum und Teil des III. Internationalen Kongresses für Säuglingsschutz im September des gleichen Jahres.

Die Gemeinde stiftete dem Kinderkrankenhaus die Skulptur der Caritas. Nach der Eingemeindung im Jahre 1920 erfolgte bald die Herauslösung der „Milchkuranstalt", die dann Bestandteil der Berliner Stadtgüter und damit Keimzelle des 1965 gegründeten Milchhofes in Heinersdorf wurde. Im Zuge der Erweiterung des Kinderkrankenhauses wurde im Jahr 1985 der Grundstein für ein neues Bettenhaus gelegt, welches im Oktober 1987 eingeweiht werden konnte.

Nach 86 Jahren ärztlicher Betreuung für die Kleinsten wurde am 1. Januar 1997 das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Viele Jahre waren die Gebäude dem Verfall und Vandalismus preisgeben. Auf Bestrebung des Vereins „Weißenseer Heimatfreunde e.V." wurde die Skulptur der Caritas vorsorglich in der Stiftungsgemeinschaft St. Elisabeth-Stephanus in der Albertinenstraße in Weißensee aufgestellt. 

Die Hoffnung, dass sich seit dem Verkauf im Jahr 2006 an russische Investoren (MWZ Bio Resonanz GmbH) vor 3 Jahren etwas ändern würde, scheint trügerisch. Nichts ist seitdem passiert. Dennoch behaupten die Käufer bis 2011 hier ein alternatives Krebszentrum zu errichten.

Im Jahr 2008 gab es von tv.berlin einen interessanten Bericht über die Klinik.



Fotoaufnahmen: Denny Müller